Samstag, 10. August 2013

Murom - Wladimir (135 km)

Frühstück mit Lenin Teil 2
Weil es gestern so gut geschmeckt hat, sind wir auch heute Morgen wieder zum Frühstücken zu der Bäckerei gefahren. Im Hotel haben wir zuvor ausgecheckt und unser Gepäck gleich mitgenommen. Einzig Getränke müssen wir noch besorgen, dann kann es losgehen...

Gegenüber fast 180 km vorgestern müssen wir heute "nur" 135 km fahren - das klingt "relativ" locker ;-)  Wir tun trotzdem gut daran, die Etappe ernst zu nehmen, denn nicht nur die Länge, sondern auch die Rahmenbedingungen, wie Straßenbelag, Wind, Hitze und Verkehr, können den Tag ganz schön schwer werden lassen.

Im Gegensatz zu Nischni Nowgorod mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern haben wir das "kleine" Murom (116 000 Einwohner) recht schnell hinter uns gelassen. Der Verkehr hält sich in Grenzen, die Straße ist gut und an Rückenwind glauben wir schon lange nicht mehr ;-) - der hält sich, wenn man in Russland von Ost nach West fährt, ziemlich in Grenzen.  Aber es rollt gut und bei unserer ersten Pause nach 2 Stunden haben wir 48 Kilometer zurückgelegt. Das ist für uns ein ordentlicher Schnitt, so kann es weitergehen!

Pause mit historischem Hintergrund
Nach 70 km ist es Zeit zum Mittagessen. Wir kaufen uns in einem Laden etwas zu Essen und suchen uns dann ein schattiges Plätzchen. Das finden wir abseits der Straße in einem Wäldchen mit einem Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen des großen vaterländischen Krieges. Schon vor zwei Jahren haben mich die Denkmäler tief bewegt. In fast jedem Dorf in Russland, durch das wir gekommen sind, gibt es solche Denkmäler. In den Namenslisten tauchen teilweise 4 oder 5 gleiche Namen, vermutlich aus derselben Familie, auf - man kann schwer ermessen wieviel Leid darin steckt, und noch schwerer ist es sich vorzustellen, was dies in der zweiten Hälfte der Vierziger Jahre für die Versorgungslage in Russland bedeutet hat. 20 Millionen tote Rotarmisten, dazu noch mindestens 10 Millionen tote und verschleppte Zivilisten - das übersteigt mein Vorstellungsvermögen.

Klein-Sammy mag...

Katze - die Erste 

Neugierig nähert sich uns eine junge Katze. Die Musterung erinnert uns stark an unseren Kater Sammy. Überhaupt nicht scheu, liegt sie bald zwischen uns, schnurrt und lässt sich am Bauch kraulen. Nett, beim Essen Gesellschaft zu haben. 
 
... die schwarze Katze nicht ...

Diese friedliche Szene ist sofort beendet als eine zweite Katze sich uns nähert. Voller Angst flüchtet Klein-Sammy auf den nächsten, ziemlich hohen Baum. Da sitzt der kleine Kater nun in luftiger Höhe, beobachtet von der schwarzen Kätzin, die nur darauf wartet, dass er wieder herunterkommt. 
... und flüchtet auf den Baum
Nach ein paar Minuten verliert diese das Interesse und zieht ab. Jetzt würde er gerne herunter - das ist aber nicht so einfach. Er macht wie die meisten jungen Katzen die Erfahrung, dass das Hochklettern viel einfacher ist als das Herunterkommen. Die Aßmannshardter Feuerwehr hatte damals unsere kleine Sleepy nach 2 Tagen aus dieser Notlage befreit ;-) Wir sind sicher, dass es Klein-Sammy alleine schaffen wird und machen uns wieder auf Weg.

Batterienwechsel am Navi
Es wird immer schwüler. Während wir auf der hügeligen Strecke die Kilometer herunterspulen, schwitzen wir um die Wette. Zeitweise übernimmt Doris die Führungsarbeit, damit ich mich im Windschatten ein paar Kilometer erholen kann - das ist sehr angenehm.

Ca. 40 Kilometer vor Wladimir beginnt der Verkehr stärker zu werden. Zum einen liegt das an der Nähe zu Wladimir mit seinen 350 000 Einwohnern, zum anderen an der Uhrzeit - es ist 16:30 Uhr und wir haben den ganzen Feierabendverkehr auf der Straße. 15 Kilometer vor Wladimir entlädt sich dann die Hitze in einem Gewitter und wir suchen Zuflucht unter dem überdachten Außenbereich einer Tankstelle.

Katze - die Zweite

Schon wieder ein kleiner Sammy
Während wir einen Kaffee trinken und auf das Ende des Gewitters warten zeigt ein junges Kätzchen großes Interesse an unserer Ausrüstung. Zuerst streift es um die Räder, klettert dann an den Gepäcktaschen hoch und lässt sich auf unserem Ortliebkoffer nieder. Wieder erinnert uns das weiß-braune Fell stark an unseren großen, gefräßigen Kater. Wie es dem wohl geht? Bestimmt gut, er wird ja von Marion versorgt.. Nachdem die Straße abgetrocknet ist, verabschieden wir uns von dem Kätzchen und legen die letzten Kilometer nach Wladimir zurück. Das Kätzchen hat jetzt noch ein bisschen Schwarz in seinem Fell - unsere Fahrradketten sind schon ziemlich dreckig ;-)

Gut ausgeruht fallen uns die letzten Kilometer leicht und wir erreichen, nach Überquerung der Kljasma (Fluß) und dem letzten Anstieg in Wladimir, das Hotel Sloboda. Die Hotelanlage ist super gepflegt, der Rezeption mehrsprachig besetzt und die Zimmer sind luxuriös und geräumig.

Restaurant mit toller Aussicht
Nachdem wir geduscht haben, begeben wir uns auf die Terrasse des Restaurants. Die Lage des Hotels ist bombastisch! Von der Terrasse sieht man über den Fluss weit in das Land hinein - ein schöner Platz für das Abendessen. Nach Einbruch der Dunkelheit gibt es noch ein Feuerwerk - im Hotel findet gerade eine Hochzeit statt.

Morgen werden wir nun Wladimir erkunden - wir sind schon gespannt.





Ein Salat als Vorspeise


Feuerwerk über dem Hotel

Blick auf den Balkon unseres Zimmers

Freitag, 9. August 2013

Murom

Frühstück mit ...

Frühstück mit Lenin

Nach über 8 Stunden Radfahren haben wir ausgezeichnet geschlafen. Das Hotel Volna ist ein sehr einfaches Hotel; wir haben das einzige Zimmer mit eigener Dusche und WC. Vor allem gibt es im Hotel kein Frühstück - so ziehen wir uns an, steigen aufs Rad und radeln zum Frühstücken in Richtung Zentrum. Nach kurzer Suche finden wir eine Bäckerei und kaufen Milchkaffee sowie Teigtaschen mit süßer und herzhafter Füllung. 

... Lenin
Nebenan ist vor der Stadtverwaltung ein kleiner Park mit obligatorischem Lenindenkmal. Wir suchen uns eine freie Bank und frühstücken gemütlich mit Blick auf Lenin. Lenindenkmäler sind uns bisher in jeder Stadt begegnet. Lenin als junger Student, Lenin gereift, Lenin als "elder statesman" - es gibt viele Variationen und dazu natürlich immer eine "ulitza(=Straße) lenina". Eine ähnliche Verbreitung hat nur noch Volksheld Juri Gagarin. Nach ihm benannte Straßen finden sich ebenfalls in so ziemlich jeder Stadt. Kaffee und Teigtaschen sind ausgezeichnet. Wir holen uns einen Nachschlag.

Der Markt in Murom

Nike, Adidas & Co

Direkt im Zentrum ist auch ein großer Markt. Auf Märkten waren wir während unserer Reise bisher noch nicht. So schlendern wir gemütlich durch die Marktreihen und begutachten Kleidung, CDs, Haushaltswaren, Schuhe und vieles mehr. Neben den russischen Produkten finden sich natürlich auch die großen Jeansmarken und, wie könnte es anders sein, Nike, Adidas & Co ;-)

Dreifaltigkeitskloster

Wir hätten es uns denken können...

Nach dem Markt wollen wir das berühmte Muromer Dreifaltigkeitskloster besichtigen, aber wir haben nicht daran gedacht, dass in orthodoxen Kirchen eine ziemlich klare Kleiderordnung herrscht. Für Männer bedeutet dies: keine kurzen Hosen bzw. Hosenbeine bis über das Knie. Für Frauen sind die Regeln noch strenger: Keine freien Schultern und Kopftuch bitte. Das geht in Ordnung, wir respektieren gerne die Regeln! Leider hat Doris a.) zu kurze Hosen, b.) freie Schultern und c.) ihr Kopftuch im Hotel vergessen. Also gehen wir zuerst einmal zurück ins Hotel um das Kopftuch zu holen. Bei der Gelegenheit können wir dann noch Getränke einkaufen gehen und Doris möchte noch auf dem Markt ein weiteres Tuch für die Schultern bzw. Beine kaufen. Alles nicht so schlimm, in Murom sind die Wege kurz.

Am Hotel angekommen wartet schon die Rezeptionistin auf uns. Ihre Kollegin hatte vergessen das Visa im Pass zu kopieren. Ich gebe ihr die Pässe sowie unsere bisherigen Meldezettel. Nach Durchsicht der Meldezettel ist sie sehr interessiert und es zeigt sich mal wieder, dass man für Kommunikation nicht wirklich eine gemeinsame Sprache benötigt: Zuerst einmal den großen Respekt vor dem Radfahren in Russland. Das ist für die meisten Leute einfach sehr abwegig und ein bisschen exzentrisch. Dann erzählt sie uns von ihrem Bruder, der in Kazan lebt. Sie war schon öfters dort, vor allem das Aqualand hat ihr sehr gut gefallen. Hmm, vielleicht hätten wir baden gehen sollen. Das Gespräch ist sehr herzlich und uns auf jeden Fall ein Erinnerungsfoto wert.

Ein gemeinsames Hobby verbindet

Im Cafe Milano
Wir fahren in den nächsten Supermarkt und kaufen Getränke, dann wollen wir nochmal zum Markt fahren um ein Tuch zu kaufen. Als wir so gemütlich die Hauptstraße entlang radeln, höre ich von links eine Bremse und ein freundliches "приве́т". Neben mir fährt ein Rennradfahrer im Liquigas Trikot und einem Pinarello Rennrad. Wir kommen ins Gespräch, er und sein Cousin, beide sprechen englisch, sind gerade am trainieren und 60 km hierher geradelt. Wir halten und reden über unsere Tour. Nischni Nowgorod? Da waren sie noch nie. Meinen Vorschlag ein paar Bilder anzuschauen, ich habe im Ortliebkoffer mein tablet dabei, nehmen sie gerne an.

Ein gemeinsames Hobby verbindet
So setzen wir uns ins nahegelegene Cafe Milano bestellen uns etwas zu trinken und schauen uns ein paar Bilder unserer bisherigen Reise an. Sein Cousin ist mit dem Rad auch schon ganz ordentlich herumgekommen, z.B. Norwegen. Er hat die Bilder auf seinem Smartphone. So bekommen wir Einblick in eine tolle Tour durch Fjorde und herrliche nordische Landschaften. Da müssen wir unbedingt auch mal hin!

Zum Abschluss haben wir ihnen unsere Blog-Adresse und Facebook Daten gegeben, damit wir in Kontakt bleiben können. Leider haben wir die Namen nicht aufgeschrieben und ich schreibe gerade retrospektiv... (23.08). Es war auf jeden Fall sehr nett und interessant - ein gemeinsames Hobby verbindet Menschen.

Ein bisschen sightseeing

Jetzt aber mal schnell auf den Markt und ein Tuch gekauft. Der Markt schließt gerade, Doris bekommt aber noch das gewünschte Tuch. Jetzt steht dem Besuch des Dreifaltigkeitskloster nichts mehr im Weg. Kopftuch und Beintuch stehen Doris gut - sehr hübsch!

Das Dreifaltigkeitskloster wurde im 17. Jahrhundert gebaut und besteht aus einer Kathedrale und einer weitläufigen Klosteranlage. In den 90er Jahren wurde das Kloster renoviert, die Klosteranlage, vor allem die Gärten, sind mit viele Liebe zum Detail und Aufwand angelegt - wunderschön anzuschauen.

Dreifaltigkeitskloster
Gerne besuchen auch junge Frauen, die sich Kindersegen und eine glückliche Ehe wünschen, das Kloster. Der Grund sind Reliquien von Peter und Fewronija, die Liebe und Ehe beschützen.

Verkündigungskloster
Nach dem Ende der Sowjetunion gab es in Russland viele soziale Probleme - viele Familien sind dabei zerbrochen. Leidtragende sind dabei immer die Kinder. Aus diesem Grund haben die Nonnen des Klosters ein Waisenhaus mit Pensionat gegründet. Hier finden diese Kinder Aufnahme und ein neues Zuhause, sowie eine Ausbildung.

Badestrand an der Oka
Gleich nebenan ist das Verkündigungskloster. Die Kirche selbst wird im Inneren noch teilweise renoviert, aber ist ebenfalls eine Besichtigung wert.

Blick vom Strand auf die Okabrücke
Zum Entspannen fahren wir an das Ufer der Oka. Dort gibt es eine lange Promenade und einen weitläufigen Sandstrand der gut besucht ist und zum Baden einlädt. Schade, wir haben unsere Badesachen mal wieder im Hotel vergessen... Vom Strand hat man auch einen sehr schönen Blick auf die große Brücke, auf der wir gestern die Oka überquert haben.

Ilja Muromez
 Oberhalb der Promenade steht das Denkmal von Ilja Muromez. Ilja Muromez ist eine russische Sagengestalt, die Einzige, die von der russisch-orthodoxen Kirche heiliggesprochen wurde. Für mich interessant, da ich vor zwei Jahren in Moskau die Tretjakow-Galerie besucht habe. Dort ist das Bild "drei Helden" des Malers Wasnezow ausgestellt - der mittlere Held ist Ilja Muromez.

Zum Abendessen gehen wir ins Café Milano und kehren anschließend wieder auf die Promenade zurück, um die Abenddämmerung mit ihrem schönen Licht hier zu erleben. Bewaffnet sind wir mit zwei tschechischen Radlern (Getränk ;-)), derselben Marke wie gestern. Ein kleiner Junge, knapp drei Jahre alt, spielt auf der Promenade mit einem Sektkorken Fußball. Unermüdlich kickt er den Korken durch die Gegend. Ich lass' mich animieren und mache mit. Die Tore sind die Bänke und ab und zu schießen wir ein Tor, begleitet von einem lautstarken "goal!" seiner Eltern. Im Gegensatz zu mir, zeigt der Junge keinerlei Anzeichen von Müdigkeit - gebt dem Kind ein Fahrrad!

Murom gehört zum goldenen Ring. Der goldene Ring ist eine Ansammlung von historischen Städten rund um Moskau. Die nächstgelegene Stadt des goldenen Rings ist Wladimir, dem nächsten Ziel unserer Reise.
 
Abendstimmung an der Oka
Abendstimmung an der Oka

Donnerstag, 8. August 2013

Nischni Nowgorod - Murom (178 km)

Abschiedsfoto mit Elena
Heute geht für uns die schöne Zeit in Nischni Nowgorod zu Ende - wir müssen weiter! Bisher fuhren wir von Ost nach West, jetzt wenden wir uns in Richtung Südwest und fahren die Oka hinauf nach Murom. 178 km mit 1600 Höhenmeter sind eine ordentliche Strecke mit vielen Hügeln. Zum Frühstück im Hotel besucht uns Elena um sich von uns zu verabschieden. Elena: Herzlichen Dank für die schöne Zeit! Wir machen noch ein letztes Foto und dann geht es wirklich los, zuerst mal bis zum nächsten Supermarkt, um Getränke zu kaufen - der Morgen mit seinem wolkenlosen Himmel ist das Vorzeichen für einen heißen Tag....

Die Kirche von Vorsma
Wir brauchen über eine Stunde, mit vielen Ampeln und ein paar Staus, bis wir Nischni Nowgorod hinter uns lassen. Das ist ziemlich zäh, mit viel Verkehr und vor allem vielen Bussen. Doris haben es vor allem die Elektrobusse angetan - die nehmen so gut wie keine Rücksicht auf Radfahrer und drücken uns regelmäßig weg - aufpassen! Ein 15er Schnitt ist ziemlich deprimierend - nur noch 163 km :-(. Aber auch die größte Stadt ist irgendwann zu Ende und wir passieren das Ortschild von Nischni. Das Gelände ist ziemlich hügelig,  Andrey und Alexander haben uns ja gewarnt. Sie haben auch von viel Verkehr gesprochen, zumindest bis Pavlowo (ca. km 100), auch das bewahrheitet sich bis jetzt. So akzeptieren wir das Unvermeidliche und versuchen einen gleichmäßigen Rhytmus zu fahren, unterbrochen durch das Besorgen von Getränken - es ist wirklich heiß... 

Mahlzeit
In Vorsma, nach 70 km besorgen wir uns im Supermarkt das Mittagessen. Highlight des Mittagessens: Es gab im Laden tschechisches Radler, sehr zitronig und gut gekühlt - so lässt es sich leben ;-) Wir fahren weiter in der mittäglichen Hitze in Richtung Pavlowo. Nachdem wir Pavlowo erreicht haben, nimmt der Verkehr tatsächlich ab. Dafür werden die Hügel steiler und länger - wir fühlen uns fast wie im Allgäu und tatsächlich in einer Senke überquert eine Herde Kühe die Straße ;-)






Die Straße wird immer besser...
Inzwischen ist die Temperatur bei über 30 Grad und bergauf, ohne den Gegenwind, steht die Hitze. Schön dass mal wieder ein Laden kommt um eine kleine Pause einzulegen und im Schatten ein bisschen zu ruhen. Wir sind jetzt in Dubrovka, ein kleiner Weiler an der Straße. 105 km haben wir hinter uns und die Zeit schreitet voran. Wenn wir jetzt nicht langsam Gas geben, kommen wir nicht bei Tageslicht in Murom an - also drücken wir die nächsten 50 km auf's Tempo. Unterstützt werden wir dabei von der Topologie, die Hügel werden niedriger und es geht mehr bergab als bergauf.  Beim nächsten Halt sind wir wieder halbwegs im Plan. 

Pause in Dubrovka


Wir sind jetzt auf die große, neue Oka-Brücke vor Murom gespannt. Die Bilder im Internet waren sehr beeindruckend. Zur Brücke fahren wir über einen langen Damm, der die Straße von den natürlichen Flutungsgebieten an der Oka abhebt.  Dann sind wir auf der Brücke und der Wind nimmt zu, da von Norden ein Wärmegewitter heranzieht. Ein grandioses Schauspiel und der starke Wind bringt die Brücke zum Singen. Es bleibt uns wenig Zeit die Szenerie zu genießen, da die Sonne gerade untergegangen ist und wir nach Murom noch immer ein paar Kilometer haben.





Auf dem Damm zur Brücke
Als wir Murom erreichen ist es schon ziemlich dunkel. Dank dem Navi finden wir das Hotel Volna, in dem wir zwei Nächte verbringen werden, auf Anhieb. Nachdem wir eingecheckt und geduscht haben, essen wir noch ein bisschen Brot und Käse aus unseren Vorräten und strecken uns dann auf dem Bett aus. Nach über 8 Stunden reiner Fahrzeit ist das ein Genuss!





Aussicht vom Damm
Auf der Okabrücke
Auf der Okabrücke

Mittwoch, 7. August 2013

Nischni Nowgorod Tag 3

gut ausgerüstet
Heute wollen wir Elena in ihrem Büro besuchen. Das stellt uns zuerst einmal vor eine kleine Herausforderung, denn wir haben zwar die Adresse aber keinen Stadtplan. Unsere Hotels finden wir ja per Navi und Plätze an denen ich einmal war, finde ich immer wieder. Also: Im Hotel mal kurz Google-Maps aufgerufen und die Adresse in Nischni gesucht, dann sich den Weg gemerkt - für zwei junge Menschen mittleren Alters eigentlich kein Problem ;-) Und es klappt! Wir finden das Haus mit dem Büro von Elena auf Anhieb.

Doris, Oxana, Elena
Mit dem Büro ist es ein bisschen schwieriger, da hier die Bürohäuser nicht ganz so übersichtlich sind wie in Deutschland und ein Mann, den wir fragen, schickt uns irrtümlicherweise in die falsche Richtung. Das Problem löst sich als Elena uns an der Haustür entgegen kommt - sie hat schon auf uns gewartet. So sitzen wir auf dem Sofa in ihrem gemütlichen Büro, bekommen Kaffee und Tee serviert und unterhalten uns über die bisherigen Erlebnisse in Russland. Elena hat zwar vor etlichen Jahren Deutsch gelernt aber seitdem nicht mehr viel gesprochen. So mixen wir Deutsch, Englisch und Russisch -  die Kommunikation klappt ausgezeichnet, wir verstehen uns prima!

Und wieder das Tschkalov-Denkmal
Auf eine Tasse Tee schaut dann noch Oxana, eine Freundin von Elena, vorbei. Sie spricht ein bisschen Englisch und arbeitet in einer Zeitungsredaktion. So verbringen wir eine nette Stunde und verabschieden uns dann - wir wollen Elena nicht zu lange von der Arbeit abhalten. Wir werden uns wieder am Abend sehen, beim Treffen mit den Radfahrern von Nischni, um eine abendliche Runde durch die Stadt zu drehen. Das gefällt uns! Auf dem Rückweg fahren wir durch die Fußgängerzone und schauen noch einmal am Tschkalov-Denkmal vorbei - es ist einfach ein schöner Platz um in der Sonne zu sitzen, nichts zu tun und den herrlichen Ausblick zu genießen.

Nette Radgruppe
Um 18:00 Uhr treffen wir uns in der Nähe des Hotels mit den Freunden von Andrey Logvinov. Die Jungs und Mädels treffen sich regelmäßig zu gemeinsamen Ausfahrten in Nischni und Umgebung. Geführt wird die heutige Tour von Alexander Krasnykh. Alexander spricht ausgezeichnet deutsch - seine Großmutter war eine Deutsche. Wir werden auf der Tour noch kurz bei einem Radhändler vorbeischauen, um den Luftdruck unserer Reifen zu überprüfen. Der optimale Druck für Schwalbe Marathon Ultra+ liegt bei 6 bar, was mit unserer kleinen Handpumpe schwer zu erreichen ist.

Dann geht's los. Zuerst fahren wir über die verkehrsreichen Straßen durch die Stadt. In Nischni gibt es wenige flache Strecken, es geht entweder hoch oder runter. Die Gruppe ist ziemlich bunt zusammengesetzt. Die meisten fahren MTBs. Nach einiger Zeit treffen wir noch ein paar Leute die auf uns gewartet haben. Jetzt sind wir über 20 Leute die auf dem Rad sitzen - eine respektable Gruppe. Dann verlassen wir die Straße und ab geht's auf einem einfachen Singletrail in den Wald. Das gibt es hier auch; große Parks mit weitläufigen Waldstücken mitten in der Stadt. Doris hat so ihre Bedenken - sie fährt nicht gerne im Gelände, schlägt sich aber tapfer. Mit unserem Material müssen wir natürlich ein bisschen aufpassen. Weder ein Rennrad, noch ein Trekkingrad sind für das Gelände besonders gut geeignet - wir werden ordentlich durchgeschüttelt. Macht trotzdem richtig Spaß.

Herrlicher Weg an der Oka
Nach 20 Minuten erreichen wir wieder eine Straße. Wir machen eine kurze Pause an einem kleinen See mit Infrastruktur am Waldrand - ein idyllisches Plätzchen mitten in Nishni Nowgorod. Im Radladen überprüfen wir den Druck unserer Reifen - alles in Ordnung, ich weiß jetzt warum mein Arm ein wenig schmerzt ;-)

Auf dem Rückweg  zur Stadtmitte fahren wir durch einen großen Park auf der rechten Seite der Oka. Herrlich, hoch über der Oka, ohne Verkehr, so in den Abend hineinzufahren. Den Endpunkt unserer Tour erreichen wir auf einem schönen Platz mit Sicht auf die Okamündung und ein paar der Sehenswürdigkeiten von Nishni.

etwas holprig ;-)
Hier sitzen wir, reden über das Radfahren in Nischni im Speziellen und in Russland im Allgemeinen. Einige sind schon viel durch Russland gefahren, so war Alexander erst mit dem Rad auf der Krim - das würde ich auch mal gerne machen... Wir reden auch noch über unsere anstehende Fahrt von Nischni nach Murom. Andrey hat die Strecke hin und zurück schon an einem Tag zurückgelegt - starke Leistung, das sind fast 400 km! Zuerst wird viel Verkehr sein und es ist bergig. Das mit den Bergen haben ich schon geahnt, bei der Planung kamen 1600 hm auf 178 km zusammen. Das sind Verhältnisse wie im Allgäu. Mal sehen...

Oka
Wir verabschieden uns von der Gruppe. Andrey und ein Freund begleiten uns auf dem Rad zum Hotel und wir gehen noch kurz zum Abendessen.

Es war eine tolle zweistündige Tour, die uns völlig neue Sichten auf Nischni eröffnet hat und war sicher eine gute Vorbereitung für den morgigen Radtag. Das war ganz nach unserem Geschmack!




Sonnenuntergang über der Oka

Dienstag, 6. August 2013

Nischni Nowgorod Tag 2


Nach dem gestrigen Gewitter und der damit verbundenen Bewölkung, begrüßt uns heute der Tag mit einem wolkenlosen Himmel. Genau das richtige Wetter um nochmal das Tschkalov Denkmal zu besuchen. Da wir Elena erst um 15:30 Uhr treffen, bleibt uns dafür auch genügend Zeit.

Also schwingen wir uns auf die Räder und fahren zum Nischni Nowgoroder Kreml. Da sitzen wir zuerst einmal eine halbe Stunde in der Sonne, relaxen und erfreuen uns an der grandiosen Aussicht, dieser Komposition aus Stadt, Fluss und Natur - immer wieder faszinierend welche Weiten sich dem Betrachter öffnen.

Grandioser Blick vom Tschkalov Denkmal
Zum wiederholten Mal fällt unser Blick auf die Alexander Newski Kathedrale am gegenüberliegenden Ufer der Oka - spontan beschließen wir die Kirche zu besichtigen. Auf dem Weg zur Kirche kommen wir auch am Passagierhafen vorbei. Der Hafen wird von Kreuzfahrtschiffen frequentiert und ist Ausgangspunkt für Rundfahrten auf Wolga und Oka.

Wir überqueren die Oka auf einer der stark befahrenen Brücken und biegen zur Kathedrale auf der Strelka, der Landzunge zwischen Oka und Wolga, ab. Die Alexander Newski Kathedrale ist mit einer Höhe von 87 Metern die drittgrößte Kathedrale Russlands und wurde 1881 von den Architekten
Passagierhafen
Dahl und Kilewein erbaut. Bei der Einweihung war Zar Alexander III und Zarin Maria Fjodorowna zugegen - so viel entnehmen wir der Schautafel vor der Kirche. Wir können immer besser die kyrillische Schrift lesen, auch wenn wir noch weit vom Verständnis der russischen Sprache entfernt sind ;-). Städtebautechnisch gibt es auf der Strelka ein heiß diskutiertes Thema: Für die Fußball WM 2018 soll hier, in der Nähe der Kirche, ein neues, großes Fußballstadion gebaut werden - wie zu erwarten gibt es da viel Pro und Contra...

Blick auf die Oka Mündung
Um 15:30 Uhr treffen wir uns dann mit Elena und Julia vor der Wolga-Seilbahn. Die 3,6 km lange Seilbahn ist die erste Luftseilbahn in Russland im öffentlichen Personennahverkehr und verbindet Nischni Nowgorod mit Bor. Sie wird von vielen Berufstätigen benutzt, um den aufwändigen und zeitintensiven Weg über die Wolgabrücke im Westen zu umgehen. Die Fahrt mit der Bahn über die Wolga ist ein eindrückliches Erlebnis: Wir sehen auf das Höhlenkloster hinab, bekommen ganz neue Sichten auf die Stadt und genießen den unverstellten Blick auf die Wolga.

Auf der Oka-Brücke
Wieder zurück in Nischni wartet schon Elenas Ehemann auf uns, um uns mit dem Auto zum Passagierhafen von Nischni zu bringen. Elena hat für uns eine Rundfahrt auf der Wolga eingeplant. So besteigen wir eins der Ausflugschiffe und genießen die Fahrt auf dem Fluss, die wunderbare Sicht vom Fluß auf die Stadt, mit dem Kreml, dem Tschkalov Denkmal und der Tschkalov-Treppe zu den Kais, die zu Ehren des Sieges der roten Armee in Stalingrad im zweiten Weltkrieg erbaut wurde. Leider konnten wir die 560 Stufen der Treppe nicht begehen, da gerade Renovierungsarbeiten im Gange sind. Mit von der Partie auf dem Schiff ist auch Alexander Bazanov, ein Kollege Elenas, der ausgezeichnet Deutsch und Englisch spricht. Alexander ist ein begeisterter Läufer und so unterhalten wir uns viel über Sport und die Läufe in Russland.

Alexander Newski Kathedrale
Den Tag beschließen wir mit einem Abendessen in einem italienischen Restaurant. Für mich gibt es eine Okroschka mit heißem Kwas, während Doris, mal wieder fleischlos, einen leckeren Salat genießt. (siehe Bild)

Was für ein wunderbarer Tag - wir haben Nischni von seiner schönsten Seite kennengelernt. Elena, Julia und Alexander: Herzlichen Dank für eure Zeit, es hat uns viel Spaß gemacht!

Fahrt in der Wolga-Seilbahn

Das Höhlenkloster
Wolga
Tschkalov-Treppe
Julia und Doris
Doris, Julia, Elena und Alexander


"vegetarisch" lebt es sich gar nicht so schlecht ;-)

Beim Italiener