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Dienstag, 13. August 2013

Elektrostal - Moskau (90 km)

Heute ist der letzte Radtag unserer Reise - wir müssen von Elektrostal nach Moskau, genauer gesagt zu der Datscha von Julia und Elena Ein am Stadtrand von Moskau, fahren - die letzten 90 km. Wir haben die Tage zuvor mit Julia telefoniert und  unsere Ankunft für 13:00 Uhr avisiert. Dieser Zeitplan bröckelt schon vor dem Losfahren, da es im Hotel erst um 9:00 Uhr Frühstück gibt. Es gibt ein Stück Kuchen aus Quark, Gries und Eier, dazu Schmand. Das ist überaus sättigend und als Grundlage für das Radfahren ausgezeichnet - so zumindest meine bisherigen Erfahrungen. Dazu trinken wir Kaffee mit gesüßter Milch.



Dann schnell die Taschen gepackt, auf dem Rad verstaut, ausgecheckt und sich von dem süßen, kleinen Welpen vor der Rezeption verabschiedet - das bekommen wir alles in knapp 15 Minuten geregelt  Wir fahren heute nicht mehr auf der M7, sondern halten uns südwestlich, fahren die A-107 bis Ramenskoye, machen einen kleinen Schlenker über den Fluss Moskwa und die M5 und fahren dann über Chulkovo, Salyut, Molokovo, Kartino nach Soloboda an den Stadtrand von Moskau. Nicht der direkte Weg, da die Moskwa endlich viele Brücken hat ;-)

Ramenskoye
Die ersten 15 km haben wir auf der A-107 einen breiten Seitenstreifen und das Radfahren macht so richtig Spaß. Bald aber hat uns der gewohnt schlechte Belag wieder - kein Seitenstreifen und viel Verkehr, bei ziemlich enger Straße - da müssen wir durch. Während der ersten Rast telefoniere ich mit Julia und korrigiere Ankunftszeit. Ja, man wartet schon auf uns, mit Schaschlik und anderen leckeren russischen Speisen - was für eine Motivation! Ab Ramenskoye wird die Straße wieder besser und bald überqueren wir die Moskwa und die M5 - nur noch 35 km bis zum Ziel und gefühlt sind wir schon fast da.

Nicht die Moskwa ;-)
Ein Gefühl ist aber eben nur ein Gefühl. Hinter Chulkovo biegen wir rechts ab und haben a.) richtig starken Verkehr, b.) eine richtig schlechte Straße, c.) starken Gegenwind und d.) ein ziemlich welliges Gelände, so richtig zäh! Heiß ist es sowieso und so kämpfen wir uns kilometerweise voran - nur noch 20 km. Aber irgendwie hat alles auch ein Ende, mein Navi zeigt an, dass wir in ein paar hundert Metern diese Straße verlassen. Was mein Navi nicht weiß, ist, dass an der Einfahrt eine Kette die Straße versperrt und ein Wachposten uns höflich mitteilt, dass das hier eine Privatstraße ist und wir dieselbe nicht benutzen können. So ein Sch...! Also müssen wir ein bisschen improvisieren, fahren einen Umweg, orientieren uns nach der Sonne, finden unsere Route wieder und stehen schließlich vor der Datscha, herzlich begrüßt und umarmt von Julia.

Man hat auf uns gewartet - ein schönes Gefühl!
Vier Stunden haben wir für die Strecke gebraucht, das klingt gar nicht so übel, gefühlt war es aber viel schlimmer.

Erleichtert stellen wir unsere Räder auf die Seite, begrüßen Elena (Julias Mutter) und Evgenij, einen Freund der Familie, der zur Feier des Tages das Schaschlik zubereitet. Elena hat uns ihr Schlafzimmer für die nächsten Tage abgetreten, ein schöner Raum im ersten Stock der Datscha. So räumen wir schnell unsere Sachen ein, machen uns frisch und dürfen auf der Hollywoodschaukel Platz nehmen.

Es gibt Schaschlik, Piroschki, verschiedene Salate, Kartoffeln und Brot. Dazu trinken wir gut gekühltes Kwas. Es schmeckt ausgezeichnet. Das Schaschlik wurde schon tags zuvor in Kiwi, Zitrone und allerlei anderen Sachen eingelegt und dann ganz langsam über dem Feuer gebraten. Das Ergebnis ist außen herrlich knusprig und innen sehr zart. Ich habe noch nie so ein gutes Schaschlik gegessen - ein großes Lob an Evgenij!

Die Datscha
Die Datscha (дача) liegt auf einem Grundstück am Stadtrand von Moskau. Man ist völlig in der Natur, es ist sehr ruhig und man kann sich nicht vorstellen, dass nebenan 11,5 Millionen Menschen wohnen - faszinierend! So sitzen wir am Tisch, freuen uns über das Wiedersehen, sprechen über unsere Erlebnisse und was wir die nächsten Tage alles machen wollen. Gegen später muss Julia dann arbeiten gehen, sie gibt Privatstunden in Deutsch, und wir bleiben mit Elena auf der Datscha. Den Abend verbringen wir gemeinsam mit dem Betrachten der vielen Bilder, die wir in den letzten Wochen gemacht haben. Dabei fallen uns immer wieder viele Erlebnisse und Geschichten ein - Elena kann ein paar Worte deutsch und englisch, wir ein paar Brocken russisch - wir verstehen uns prächtig ;-)

Wer eine Reise macht hat viele Bilder und viel zu erzählen ;-)

Montag, 12. August 2013

Wladimir - Elektrostal (144 km)

Luxuriöses Zimmer
Wladimir ist wirklich eine schöne Stadt, vielleicht ein paar Touristen zu viel, aber gestern war auch Sonntag. Heute steht die nächste Radetappe nach Elektrostal über die M7 auf dem Programm. Das heißt 135 km Autobahn. Wir sind auch vor zwei Jahren bei der Friedenstour diese Strecke auf der M7 gefahren. Zuerst aber die Sachen gepackt und dann ein letztes Mal im Hotel kräftig gefrühstückt.

Blick vom Balkon
Das Sloboda ist wirklich ein tolles Hotel, ausgezeichnete Lage, ruhig und trotzdem stadtnah, luxuriöse Zimmer und ein professioneller Service. Wir können das Hotel für einen Aufenthalt in Wladimir uneingeschränkt weiterempfehlen! Als Appetitanreger noch ein Bild mit dem Blick vom Balkon unseres Zimmers...

Während wir unser Gepäck auf meinem Rad verstauen, spricht uns ein Chinese aus Hongkong an. Er hat mit seiner Frau und kleinem Kind das Zimmer neben uns. In bestem Oxford-Englisch unterhalten wir uns über das Reisen mit dem Rad - ja, das würde er auch mal gerne machen, aber mit kleinem Kind ist es so wohl nicht machbar - da hat er recht ;-)

Die M7 zwischen Wladimir und Moskau ist in einem besseren Zustand als der Abschnitt von Cheboksary nach Lyskovo. Zwar gibt es an vielen Stellen keinen Seitenstreifen, die Straße ist aber breit und so haben wir immer genügend Abstand zu den vielen LKWs, die uns passieren. Unsere erste Pause machen wir auf einem Rastplatz, ein paar Meter von der Straße entfernt. Eigentlich sehr idyllisch, wenn man sich die Autobahn in 40 Meter Entfernung wegdenkt ;-)




Die Cobra
Der Hund
Doris macht seit zwei Jahren Yoga und nützt gerne die Pausen, um ihre Rücken- und Nackenmuskulatur zu dehnen. Mir macht es Spaß sie bei den Übungen zu fotografieren. Der "Hund" und die "Cobra" gehören zu ihrem Standardprogramm.



Der Mann ist ein guter Bäcker!
Für das Mittagessen machen wir nach 75 km in der Nähe von Pokrov Rast. In dem kleinen Laden gibt es neben Getränken auch Teigtaschen, vom Besitzer gerade frisch hergestellt. Sie duften lecker und ich kaufe zwei Stück.

Gefüllt mit Fleisch und Kräutern sind sie ein Genuss! Die Teigtaschen sind übrigens keine Piroschki, also die traditionellen russischen Teigtaschen, sondern eher türkischer Herkunft - der Filoteig lässt dies vermuten. Ob der Bäcker auch türkischer Herkunft ist entzieht sich unserer Kenntnis... ;-)

Während des Essens gesellt sich der Besitzer zu uns. Ohne gemeinsame Sprachbasis unterhalten wir uns über die Dinge, die er in Deutschland mag und das ist Fußball und Berlin. Es ist immer wieder erstaunlich wie gut die Kommunikation klappt...

Vor dem Abschied gibt es dann noch das obligatorische Fotoshooting.

Die M7
Der weitere Verlauf unseres Radtages ist unspektakulär. Ab und zu halten wir an um Getränke zu kaufen und nach 16:00 Uhr beginnt wieder die Rushhour und der Verkehr wird noch stärker als er eh schon den ganzen Tag über war.


Die M7
Die meisten Abschnitte der M7 haben wenig mit einer deutschen Autobahn zu tun. Neben Bushaltestellen gibt es Zebrastreifen und an manchen Stellen verläuft die Straße direkt durch Ortschaften - dort gibt es dann in der Regel auch Ampeln. Der beste Vergleich ist wohl eine stark befahrene deutsche Bundestraße. Als wir die Abfahrt nach Elektrostal erreichen, sind wir erleichtert die M7 hinter uns zu haben.

Appartments
Das Parkhotel Bogorodsk liegt abseits, mitten in einem Wäldchen, und war in früheren Zeiten wohl eine Ferienanlage, bestehend aus Appartements und Gemeinschaftsräumen, die über das Gelände verteilt sind. Mit Sprachbarriere, aber ohne Schwierigkeiten, beziehen wir unser Appartement und begeben uns in die Stadt um Abendessen und Getränke zu kaufen. Elektrostal hat 155.000 Einwohner und wurde 1916 im Zusammenhang mit einer metallurgischen Fabrik gegründet.

Wohnzimmer mit Küchenzeile
Heute ist sie ein Zentrum der Schwer- und Chemieindustrie. Mit ein bisschen Mühe, die Orientierung ist in russischen Städten nicht so einfach, finden wir einen Supermarkt und bekommen alles was wir für das Abendessen benötigen - selbst "Dany + Sahne" ist für mich als Nachtisch dabei ;-)

Mit der Fahrt durch die Stadt waren es heute 144 km - gut dass wir unseren ursprünglichen Plan nicht verfolgt haben und direkt nach Moskau gefahren sind. Das wäre uns doch zu viel gewesen, alles über 200 km ist schmerzhaft...

Samstag, 10. August 2013

Murom - Wladimir (135 km)

Frühstück mit Lenin Teil 2
Weil es gestern so gut geschmeckt hat, sind wir auch heute Morgen wieder zum Frühstücken zu der Bäckerei gefahren. Im Hotel haben wir zuvor ausgecheckt und unser Gepäck gleich mitgenommen. Einzig Getränke müssen wir noch besorgen, dann kann es losgehen...

Gegenüber fast 180 km vorgestern müssen wir heute "nur" 135 km fahren - das klingt "relativ" locker ;-)  Wir tun trotzdem gut daran, die Etappe ernst zu nehmen, denn nicht nur die Länge, sondern auch die Rahmenbedingungen, wie Straßenbelag, Wind, Hitze und Verkehr, können den Tag ganz schön schwer werden lassen.

Im Gegensatz zu Nischni Nowgorod mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern haben wir das "kleine" Murom (116 000 Einwohner) recht schnell hinter uns gelassen. Der Verkehr hält sich in Grenzen, die Straße ist gut und an Rückenwind glauben wir schon lange nicht mehr ;-) - der hält sich, wenn man in Russland von Ost nach West fährt, ziemlich in Grenzen.  Aber es rollt gut und bei unserer ersten Pause nach 2 Stunden haben wir 48 Kilometer zurückgelegt. Das ist für uns ein ordentlicher Schnitt, so kann es weitergehen!

Pause mit historischem Hintergrund
Nach 70 km ist es Zeit zum Mittagessen. Wir kaufen uns in einem Laden etwas zu Essen und suchen uns dann ein schattiges Plätzchen. Das finden wir abseits der Straße in einem Wäldchen mit einem Denkmal zur Erinnerung an die Gefallenen des großen vaterländischen Krieges. Schon vor zwei Jahren haben mich die Denkmäler tief bewegt. In fast jedem Dorf in Russland, durch das wir gekommen sind, gibt es solche Denkmäler. In den Namenslisten tauchen teilweise 4 oder 5 gleiche Namen, vermutlich aus derselben Familie, auf - man kann schwer ermessen wieviel Leid darin steckt, und noch schwerer ist es sich vorzustellen, was dies in der zweiten Hälfte der Vierziger Jahre für die Versorgungslage in Russland bedeutet hat. 20 Millionen tote Rotarmisten, dazu noch mindestens 10 Millionen tote und verschleppte Zivilisten - das übersteigt mein Vorstellungsvermögen.

Klein-Sammy mag...

Katze - die Erste 

Neugierig nähert sich uns eine junge Katze. Die Musterung erinnert uns stark an unseren Kater Sammy. Überhaupt nicht scheu, liegt sie bald zwischen uns, schnurrt und lässt sich am Bauch kraulen. Nett, beim Essen Gesellschaft zu haben. 
 
... die schwarze Katze nicht ...

Diese friedliche Szene ist sofort beendet als eine zweite Katze sich uns nähert. Voller Angst flüchtet Klein-Sammy auf den nächsten, ziemlich hohen Baum. Da sitzt der kleine Kater nun in luftiger Höhe, beobachtet von der schwarzen Kätzin, die nur darauf wartet, dass er wieder herunterkommt. 
... und flüchtet auf den Baum
Nach ein paar Minuten verliert diese das Interesse und zieht ab. Jetzt würde er gerne herunter - das ist aber nicht so einfach. Er macht wie die meisten jungen Katzen die Erfahrung, dass das Hochklettern viel einfacher ist als das Herunterkommen. Die Aßmannshardter Feuerwehr hatte damals unsere kleine Sleepy nach 2 Tagen aus dieser Notlage befreit ;-) Wir sind sicher, dass es Klein-Sammy alleine schaffen wird und machen uns wieder auf Weg.

Batterienwechsel am Navi
Es wird immer schwüler. Während wir auf der hügeligen Strecke die Kilometer herunterspulen, schwitzen wir um die Wette. Zeitweise übernimmt Doris die Führungsarbeit, damit ich mich im Windschatten ein paar Kilometer erholen kann - das ist sehr angenehm.

Ca. 40 Kilometer vor Wladimir beginnt der Verkehr stärker zu werden. Zum einen liegt das an der Nähe zu Wladimir mit seinen 350 000 Einwohnern, zum anderen an der Uhrzeit - es ist 16:30 Uhr und wir haben den ganzen Feierabendverkehr auf der Straße. 15 Kilometer vor Wladimir entlädt sich dann die Hitze in einem Gewitter und wir suchen Zuflucht unter dem überdachten Außenbereich einer Tankstelle.

Katze - die Zweite

Schon wieder ein kleiner Sammy
Während wir einen Kaffee trinken und auf das Ende des Gewitters warten zeigt ein junges Kätzchen großes Interesse an unserer Ausrüstung. Zuerst streift es um die Räder, klettert dann an den Gepäcktaschen hoch und lässt sich auf unserem Ortliebkoffer nieder. Wieder erinnert uns das weiß-braune Fell stark an unseren großen, gefräßigen Kater. Wie es dem wohl geht? Bestimmt gut, er wird ja von Marion versorgt.. Nachdem die Straße abgetrocknet ist, verabschieden wir uns von dem Kätzchen und legen die letzten Kilometer nach Wladimir zurück. Das Kätzchen hat jetzt noch ein bisschen Schwarz in seinem Fell - unsere Fahrradketten sind schon ziemlich dreckig ;-)

Gut ausgeruht fallen uns die letzten Kilometer leicht und wir erreichen, nach Überquerung der Kljasma (Fluß) und dem letzten Anstieg in Wladimir, das Hotel Sloboda. Die Hotelanlage ist super gepflegt, der Rezeption mehrsprachig besetzt und die Zimmer sind luxuriös und geräumig.

Restaurant mit toller Aussicht
Nachdem wir geduscht haben, begeben wir uns auf die Terrasse des Restaurants. Die Lage des Hotels ist bombastisch! Von der Terrasse sieht man über den Fluss weit in das Land hinein - ein schöner Platz für das Abendessen. Nach Einbruch der Dunkelheit gibt es noch ein Feuerwerk - im Hotel findet gerade eine Hochzeit statt.

Morgen werden wir nun Wladimir erkunden - wir sind schon gespannt.





Ein Salat als Vorspeise


Feuerwerk über dem Hotel

Blick auf den Balkon unseres Zimmers

Donnerstag, 8. August 2013

Nischni Nowgorod - Murom (178 km)

Abschiedsfoto mit Elena
Heute geht für uns die schöne Zeit in Nischni Nowgorod zu Ende - wir müssen weiter! Bisher fuhren wir von Ost nach West, jetzt wenden wir uns in Richtung Südwest und fahren die Oka hinauf nach Murom. 178 km mit 1600 Höhenmeter sind eine ordentliche Strecke mit vielen Hügeln. Zum Frühstück im Hotel besucht uns Elena um sich von uns zu verabschieden. Elena: Herzlichen Dank für die schöne Zeit! Wir machen noch ein letztes Foto und dann geht es wirklich los, zuerst mal bis zum nächsten Supermarkt, um Getränke zu kaufen - der Morgen mit seinem wolkenlosen Himmel ist das Vorzeichen für einen heißen Tag....

Die Kirche von Vorsma
Wir brauchen über eine Stunde, mit vielen Ampeln und ein paar Staus, bis wir Nischni Nowgorod hinter uns lassen. Das ist ziemlich zäh, mit viel Verkehr und vor allem vielen Bussen. Doris haben es vor allem die Elektrobusse angetan - die nehmen so gut wie keine Rücksicht auf Radfahrer und drücken uns regelmäßig weg - aufpassen! Ein 15er Schnitt ist ziemlich deprimierend - nur noch 163 km :-(. Aber auch die größte Stadt ist irgendwann zu Ende und wir passieren das Ortschild von Nischni. Das Gelände ist ziemlich hügelig,  Andrey und Alexander haben uns ja gewarnt. Sie haben auch von viel Verkehr gesprochen, zumindest bis Pavlowo (ca. km 100), auch das bewahrheitet sich bis jetzt. So akzeptieren wir das Unvermeidliche und versuchen einen gleichmäßigen Rhytmus zu fahren, unterbrochen durch das Besorgen von Getränken - es ist wirklich heiß... 

Mahlzeit
In Vorsma, nach 70 km besorgen wir uns im Supermarkt das Mittagessen. Highlight des Mittagessens: Es gab im Laden tschechisches Radler, sehr zitronig und gut gekühlt - so lässt es sich leben ;-) Wir fahren weiter in der mittäglichen Hitze in Richtung Pavlowo. Nachdem wir Pavlowo erreicht haben, nimmt der Verkehr tatsächlich ab. Dafür werden die Hügel steiler und länger - wir fühlen uns fast wie im Allgäu und tatsächlich in einer Senke überquert eine Herde Kühe die Straße ;-)






Die Straße wird immer besser...
Inzwischen ist die Temperatur bei über 30 Grad und bergauf, ohne den Gegenwind, steht die Hitze. Schön dass mal wieder ein Laden kommt um eine kleine Pause einzulegen und im Schatten ein bisschen zu ruhen. Wir sind jetzt in Dubrovka, ein kleiner Weiler an der Straße. 105 km haben wir hinter uns und die Zeit schreitet voran. Wenn wir jetzt nicht langsam Gas geben, kommen wir nicht bei Tageslicht in Murom an - also drücken wir die nächsten 50 km auf's Tempo. Unterstützt werden wir dabei von der Topologie, die Hügel werden niedriger und es geht mehr bergab als bergauf.  Beim nächsten Halt sind wir wieder halbwegs im Plan. 

Pause in Dubrovka


Wir sind jetzt auf die große, neue Oka-Brücke vor Murom gespannt. Die Bilder im Internet waren sehr beeindruckend. Zur Brücke fahren wir über einen langen Damm, der die Straße von den natürlichen Flutungsgebieten an der Oka abhebt.  Dann sind wir auf der Brücke und der Wind nimmt zu, da von Norden ein Wärmegewitter heranzieht. Ein grandioses Schauspiel und der starke Wind bringt die Brücke zum Singen. Es bleibt uns wenig Zeit die Szenerie zu genießen, da die Sonne gerade untergegangen ist und wir nach Murom noch immer ein paar Kilometer haben.





Auf dem Damm zur Brücke
Als wir Murom erreichen ist es schon ziemlich dunkel. Dank dem Navi finden wir das Hotel Volna, in dem wir zwei Nächte verbringen werden, auf Anhieb. Nachdem wir eingecheckt und geduscht haben, essen wir noch ein bisschen Brot und Käse aus unseren Vorräten und strecken uns dann auf dem Bett aus. Nach über 8 Stunden reiner Fahrzeit ist das ein Genuss!





Aussicht vom Damm
Auf der Okabrücke
Auf der Okabrücke

Sonntag, 4. August 2013

Lyskovo - Nischni Nowgorod (90 km)

Die ruhige Lage des Hotels und das gute Bett haben ihre Wirkung nicht verfehlt: Wir haben ausgezeichnet geschlafen und uns von den gestrigen Anstrengungen gut erholt. Wir sind früh aufgestanden, da die Fähre über die Wolga schon um 8:15 Uhr ablegt. Nach einem etwas spartanischen Frühstück Weißbrot, Käse, Wurst (für mich 2 x Wurst, da Doris keine Wurst isst ;-)) und löslichem Kaffee begleitet uns die nette Dame von der Rezeption noch bis zum Tor Richtung Fähre und nach zwei Minuten fahren wir auf dieselbe.

Die Fähre von Lyskovo nach Markajewo fährt vormittags nur einmal. Die Fahrt dauert ca. 40 Minuten und kostet für zwei Personen und zwei Räder 160 Rubel (ca. 3,50 Euro)  - das ist sehr günstig und könnte ein Vorbild für die Bodenseefähren sein - dort kostet die Überfahrt mit Rad ein Vielfaches....

Der Vergleich mit dem Bodensee ist übrigens durchaus angebracht, da die Wolga, immer noch als Auswirkung der Stauung in Cheboksary, eine Breite von mehreren Kilometern hat. Die Überfahrt ist ein Erlebnis: Durch einen Seitenarm nähern wir uns langsam dem Hauptstrom und eine riesige Wasserfläche kommt in Sicht - die Wolga ist einer der größten Ströme der Welt und seit jeher Transportweg und Siedlungsgebiet. So wurde z.B. das Material für den Bau der
Festung von Swijaschsk, als Vorbereitung der Eroberung von Kazan 1552 durch Iwan den Schrecklichen, über die Wolga aus Jaroslaw auf der Wolga transportiert.

Am anderen Flussufer kommt das 1435 gegründete Makarios-Scholtowodski-Dreifaltigkeitskloster in Sicht. Bei dem wolkenlosen Himmel ein prächtiger Anblick und wir fahren direkt darauf zu, da sich die Anlegestelle direkt neben dem Kloster befindet.

In Markajewo angekommen, gehen wir zuerst einmal ins nächste Magazin (Laden), um uns mit Getränken, Keksen und Trockenfrüchten für den Radtag einzudecken. Die Weg von Markajewo nach Bor entwickelt sich so, wie wir insgeheim gehofft haben: Auf einsamen Straßen durch kleine Dörfer mit faktisch keinem Verkehr, radeln wir nebeneinander und erfreuen uns an der großartigen russischen Natur. Da heute nur 90 km zu fahren sind, haben wir es nicht eilig. So machen wir etliche Pausen, essen hier und da ein Eis und erfreuen uns an der schönen Dorfkirche in Jamnowo.

Vor Bor nimmt der Verkehr wieder zu, wir nähern uns Nischni Nowgorod mit seinen 1,3 Millionen Einwohnern, da fällt Bor mit seinen ca. 80000 Einwohnern nicht so ins Gewicht. In Bor erreichen wir ganz einfach, dem Navi sei gedankt, die Anlegestelle der Fähre und wir können am heutigen Tag zum zweiten Mal, mit Blick auf Nischni Nowgorod, die Fahrt über die Wolga genießen.

Wir tun uns schwer das Hotel zu finden, da an der in booking.com
Makarios-Scholtowodski-Dreifaltigkeit
hinterlegten Position sich alles, nur kein Hotel befindet. Also beginnen wir damit Hausnummern zwischen linker und rechter Straßenseite zu sortieren und finden das Hotel im unteren Stockwerk eines 17-stöckigen Wohnhauses ca. 1,5 km von der angegebenen Position entfernt - den Stress könnte man durch korrekte Hinterlegung der Position in booking.com vermeiden...

Die Zimmer im Hotel sind schön und die Klimaanlage funktioniert perfekt, so entspannen wir zuerst einmal, bevor wir uns zum Abendessen
in ein nahegelegenes Café begeben. Hier werden wir von einer netten Studentin der Geschichte bedient, die alle ihre Englischkenntnisse herauskramt um mit uns zu sprechen. Wie in Deutschland, lernt man auch in Russland in der Regel Englisch oder Deutsch als erste Fremdsprache. Die meisten trauen sich nur nicht zu sprechen, da ihnen die Praxis fehlt....

Jetzt sind wir gespannt auf den morgigen ersten Tag in Nischni Nowgorod. Während der Friedenstour haben wir Nischni Nowgorod umfahren und somit ist es auch aus meiner Sicht völliges Neuland.



Dorfkirche in Jamnowo

Überfahrt von Bor nach Nischni Nowgorod